Quelle :
Jahresbericht  Landesmuseum Joanneum Graz 1976
EBNER, F. Sc GRAF, W.: Die Fauna von Weitendorf

Geologische Info zu Weitendorf 

Überblick

Die Bearbeitung von Aufsarnmlungen der Abteilung und Leihstücken aus Sammlerkreisen ergab eine wesentliche Erweiterung der von FLÜGEL, HAUSER & PAPP 1952 aus den "Basismergeln" des Weitendorfer Basaltbruches publizierten Faunenliste.  Die Neufunde bestätigen die schon lange bekannten Faziesbeziehungen zur Schichtfolge der Florianer Bucht, insbesondere zu den Pölser Mergeln und unterstreichen die Einstufung der Fundschichten in die Lageniden-Zone des Badenien.  Einige Faunenelemente signalisieren dairüber hinaus eine Mittlerstellung zur Leithakalk-Entwicklung der nahen Mittelsteirischen Schwelle.

Einleitung

Die zeitweilig reichhaltige und schöne Mineralführung in den Klüften und Blasenräumen des Basaltes (Shoshonites)  von Weitendorf (ALKER 1972 cum lit.) erweckte frühzeitig nicht nur das Interesse der Wissenschaft, sondern auch zahlreich interessierter Laien, die den Weitendorfer Basaltbruch in Sammlerkreisen weithin bekannt machten.  Nach Auffindung der fossi1führenden Tonmergel an der Bruchsohle in den fünfziger Jahren setzte bald auch die paläontologische Sammlertätigkeit ein, die heute leider in vielen Fällen schon die von Wissenschaft und Naturschutz zu ziehende Grenze einer vernünfligen, von Naturbegeisterung diktierten Fossiliensuche in Richtung auf eine rein gewinnorientierte Ausbeutung hin überschritten hat.  Weitendorfer Fossilien werden heute in ganz Europa gehandelt, wobei der geforderte Preis geradezu mit dem Quadrat der Entfernung anzusteigen scheint.  Umso erfreulicher ist vor diesem Hintergrund die Bereitschaft, mit der einige Sammler ihre Funde der Abteilung zur Bearbeitung zur Verfügung gestellt, z. T. auch völlig überlassen haben.  Unser Dank und unsere Anerkennung gilt dabei nicht nur diesem Entgegenkommen an sich, sondern insbesondere auch dem großen zeitlichen und ideellen Einsatz bei der Suche, Bergung und oft schwierigen Präparationen des reichen Materiales.  Es stammt aus den Sammlungen folgender Herren:

Julius BURKL jun.
Helmut GUTJAHR
Hofrat Dr. Friedrich KELBITSCH
Wolfgang PHILIPPEK
Wolfgang WASSERMANN  

Darüber hinaus danken wir den Steirischen Basalt- und Hartgesteinwerken, Gebrüder SCHLARBAUM, für die stets bereitwillig erteilte Besuchserlaubills im Steinbruchgelände sowie der Abteilung für Paläontologie und Historische Geologie am Institut für Geologie und Paläontologie der Universität Graz, für die tatkräftige Unterstützung bei unseren Aufsammlungen.  

Unser Dank gilt ferner Herrn Prof.  Dr.  R. SIEBER für die Hilfe bei der Fossilbestimmungen und wertvolle Literaturhinweise sowie Herrn W. POSTL für die Diffraktometer-Untersuchung der in den "Weitendorfer Mergeln" neuentdeckten Tuffeinstreuungen.  Herrn FOI. A. KÜHNE , Bild- und Tonarchiv, danken wir für die Durchfülirung der Fotoarbeiten.  

Der Shoshonit und seine Unterlage

Der "Basalt" von Weitendorf ist seit nahezu 150 Jahren (ANKER 1830) bekannt und stand seit dieser Zeit immer wieder im Blickpunkt des Interesses verschiedener erdwissenschaftliclier Disziplinen.  Trotz der daraus resultierenden breiten Streuung der jeweiligen Fragestellungen, orientierten sich die Untersuchungen letztlich doch alle an der Sonderstellung des Weitendorfer Gesteins im Hinblick auf sein isoliertes räumliches Auftreten und seinem, gegenüber dem Gleichenberger Vulkanismus abweichenden, Chemismus.  Dies erschwerte auch eine vergleichende Altersdeutung, so daß bis in die, jüngste Zeit, je nach Gewichtung der Argumente, eine Zurechnung zum Zyklus des mittelmiozänen Vulkanismus (z.  B. HAUSER & KOLLMANN 1954) ebenso möglich schien, wie eine Parallelisierung mit den jungpliozänen Vulkaniten (z.  B. WINKLER-HERMADEN 1957).  Auch die Auffindung teilweise fossilführender Tonmergel i n (MORLOT 1847, SIGMUND 1897), auf (GEYER 1902, DREGER 1902, HILBER 1905, LEITMEIIER 1910) und unter (FLÜGEL, HAUSER & PAPP 1952) den Basalten half in dieser Frage nicht wesentlich weiter; dies deshalb, da sich die Grenzverhältnisse gegen den Basalt als rein mechanische herausstellten bzw. in ihrer Wertung überhaupt zweifelhaft blieben und die Tonmergel überdies keinerlei thermische Kontaktwirkungen zeigten. .Ihre von FLÜGEL, HAUSER & PAPP beschriebene Fauna ergab zunäichst eine Einstufung in das "untere Torton bzw. obere Helvet"; sie wurde von KOPETZKY 1957 auf "höheres Untertorton" eingeengt.  Diese Einstufung wird durch Tuffeilistreuungen, welche in den fossilführenden Mergeln von Weitendorf erstmals nachgewiesen werden konnten und die als Äquivalente des "ersten Tuffithorizontes" KOPETZKYs anzusehen sind, deutlich unterstrichen.  Dieser nach KOPETZKY für das "höhere Unter-Torton" bezeichnende Horizont wurde bisher v. a. aus der nordöstlichen Florianer Bucht beschrieben, findet sich aber auch im Verbreitungsgebiet der Leithakalk-Entwicklung.

In einer Zusammenschau aller bisher vorliegenden Beobachtungen enschließlich der paläomagnetischen Messungen von MAURITSCH 1975 kommt FLÜGEL 1975 schließlich zu dem Ergebnis, daß der Shoshonit von Weitendorf keinen jungpliozänen Stock im Sinne von WINKLER - HERMADEN 1957 darstellt, sondern daß es sich um einen mittelmiozänen Erguß handelt, der nach seiner Abkühlung verdreht und mechanisch verfrachtet wurde.  Unter Berücksichtigung des Alters der fossilführenden Tonmergel an der Basis bedeutet dies nach FLÜGEL, daß die vulkanische Tätigkeit in der Lagenidenzone (Badenien) einzuordnen ist.  Diese Ansicht fand in den jüngst bekanntgewordenen absoluten Alterswerten ihre Bestätigung.  

Die Fazies der Tonmergel

FLÜGEL, HAUSER & PAPP 1952 heben bereits die "augenfällige Ahnlichkeit" des Weitendorfer Vorkommens mit solchen des Florianer Tegels hervor und bestätigen damit die Feststellungen, welche GEYER 1902, DREGER 1902 und andere im Hinblick auf  jene Mergel ausgesprochen hatten, welche seinerzeit - dem Basalt angelagert - im Südosten des Vorkommens aufgeschlossen waren.  FLÜGEL et al. betonten den Reichtum an Bivalven und wiesen darauf hin, daß sich in der Fauna, trotz kleineren Wuchses einiger Arten, insgesamt ein mariner Charakter ausdrückt.  Die spärliche Mikrofauna mit "Ammonia beccarii" und "Nonion commune" signalisiert dabei einen zumindest zeitweilig auftretenden, aberranten Salzgehalt.  Diese Aussage steht in völliger Übereinstimmung mit den Untersuchungen von KOPETZKY 1957 für die Pölser Mergel, in deren Mikrofauna sich mit dem Auftreten von Ammonia beccarii und Nonion commune ebenfalls eindeutig brackische Züge fanden.

Die Neufunde fügen sich diesem kurz skizzierten Faziesbild zwar zwanglos ein, erlauben aber doch eine gewisse Modifizierung: hatten in der FLÜCEL-HAUSER-PAPP'schen Fauna die Lamellibranchiaten gegenüber den Gastropoden deutlich überwogen (16 Arten mit 86 Exemplaren gegenüber 11 Arten mit 38 Exemplaren), so zeigt sich nun aufgrund der umfangreicheren Aufsammlungen ein genau umgekehrtes Bild: bei den Neufunden stehen 38 Gastropoden-Arten nur 8 Arten bei den Lamellibranchiaten gegenüber.  Dies korrigiert die von FLÜGEL et al. getroffene Feststellung eines Überwiegens der Laniellibranchiaten und nähert das Bild der Gesamtfauna noch mehr an jenes der F1orianer Schichten an, für die bereits ROLLE 1856 eine Vorherrschaft der Gastropoden betont hatte.  

Andererseits fanden sich in den Neuaufsammlungen neben den  herrschenden Vertretern der Florianer Fauna auch einige wenige Arten, die bisher nur aus der Leithaka1kfazies beschrieben worden waren, sowie eine Reihe von Arten, die aus beiden Faziesbereichen bekannt sind.  Die Leithakalk-Elemente, welche in der Aufsammlung von 1952 gefehlt hatten, könnten für die Weitendorfer Mergel eine vermittelnde Übergangsstellung zwischen der Fazies der Florianer Schichten und der Leithakalk-Entwicklung andeuten, eine Vermutung, die schon lagebedingt durchaus verständlich wäre.

Der Fossilinhalt

Die aus der Aufsammlung FlÜGEL, HAUSER & PAPP 1952 und den Neuaufsammlungen kombinierte Fossilliste umfaßt ca. 80 Arten, vorwiegend von Mollusken.  Daineben treten Seeigel, Bryozoen (1 Exemplar), Krabben, Fischzähne und -schuppen, Seekuhrippen, der Unterkiefer eines kleinen Carnivoren und spärliche Pflanzenreste auf.  In der Mikrofauna fanden sich wenige Foraminiferen und Ostrakoden.  

Die Fauna besteht zu 60% aus Faunaelementen der Florianer Schichten, 4% Leithakalk-Anteilen und zu 17% aus Elementen, die in beiden Ablagerungsräumen auftreten.  Die restlichen 19% entfallen auf Arten, die bisher weder aus den Florianer Schichten noch aus den steirischen Leithakalkvorkommen beschrieben wurden, jedoch großteils aus ergleichbaren Ablagerungen des Wiener Beckens bekannt sind.

Die schon bisher vertretene Einstufung der Weitendorfer Fauna in die Lagenidenzone des Badenien hat sich durch die Neuaufsammlung, bestätigt.  Von besonderem Interesse ist der Nachweis von Diloma (Paroxystele) orientalis, einer Art, die nach SCHULZ 1971 für das Badenien (obere Lagenidenzone bis Buliminenzone) der Parathetis charakteristisch ist und im Wiener Becken, soweit bisher bekannt, ihre westlichste Verbreitung hat.  

Ancilla (Baryspira) glandiformis  glandiformis  (LM.)
Amyclina cf. laevissima (BRUS.)
Aporrhais (A.)ailata (Eichw.)
Architectonica (A.) carocollata semitypica  SACCO
Arcularia (A.) schönni  (R.. HÖRN. & AU.)
Argobuccinum (Ranella) cf. giganteum  (Lm.)
Athletha (A.) ficulina rarispina  (Lm.)
Cassis (C.) postmamillaris  SACCO
Cerithium (   )  crenatum  procrenatum  SACCO
Clavatula (C.) ex gr. asperulata (Lm.)
Clavatula (C.) ex gr. schreibersi (Hörn)
Ciavus (Drillia) obtusangulus (BROCCHI)
Conus (Conolithus) brezinae R. HÖRN. & Au.
Conus  (Dendroconus) vöslauenss  R. HÖRN &, Au.
Cymatium sp.
Diloma  (Paroxystele) orientalis (COSS. & PAYR.)
Dolium (Cadium)  orbiculatum (BROCCH1)
Dorsanum (D.) miocenicum (MICHT.)
Ficus (F.) geometricus BORS.
Galeodes (G.) cornutus  (AG.)
Genota (Pseudotoma) theresiae  (R.  HÖRN  & Au.)
Hexaplex (Muricanthus) hoernesi (ANC.)
Hinia (Uzita) rosthorni rosthorni  (PARTSCH)
Hinia (Uzita) rosthorni tonsurai  (HILBER)
Latirus (L.) valenciennesi  (GRAT.)
Lemintina arenaria  (L.)
Lunatia catena helicina (BROCCHI)
Mitra  (Tiara) scrobiculata  BROCCHI
Mitrella (Macrurellanassoides  (GRAT.)
Morum (Oniscidia) ?thara (BROCCHI)
Murex (Haustellum) partschi  HÖRN.
Natica (Nacca) millepunctata tigrina DEFR.
Neverita  olla (SERR.)
Perrona (P.) jouanneti descendens   (HILB.)
Polinices (P.) proredemptus  SACCO
Rostellaria  (R.) dentata GRAT.
Schilderia  badensis  (SCHILD.)
Semicassis (S..) miolaevigata SACCO
Solariorbis  woodi (HöRN.)
Strombus (S.) coronatus DEFR.
Subula (oxymeris) fuscata modesta (TRIST.)
Terebra (T.) neglecta MICHT.
Terebralia bidentata bidentata (DEFR.)
Thais  (Stramonita) exilis (PARTSCH)
Trona (T.) 1yncoides  vindobonensis (SACCO)
Tudicla (T.) rusticula rusticula (BAST.)
Turritella (Haustator) badensis SACCO
Xenophora cf. deshayesi MICHT.

Arca (Anadara) turoniensis DUJ.
Cardium (Acanthocardia) turonicum   MAY.
Cardium (Ringicardium) hians danubianum  MAY.
Chlamys multistriata tauroperstriata SACCO
Gryphaea (Crassostrea) gingensis (SCHLOTH.)
Gryphaea (Crassostrea) gryphoides  crassissima (Lm.)
Ilphigenia lacunosa (CHEMN.)
Lutraria (Psammophila) aff. oblonga CHEMN.)
Ostrea  (0.) digitalina DUB.
Pecten fuchsi styriacus HILB.
Pecten sp.
Pitaria (Cordiopsis) islandicoides islandicoides (BROCCHI)
Pitaria (Cordiopsis) islandicoides cf. grundensis KAUT.
Sanguinolaria (Psammotaea) labordei  BAST.
Saxolucina   (Megaxinus) bellardiana (MAY.)
Saxolucina (Plastomiltha) multilammelata (DESH.)
Tellina  (T.)  pölsensis HILB.
Tellina (T.) cf. serrata SACCO
Tellina (Morella) donacina L.
Tellina (Peronaea) planata L.
Tellina (Peronaea) cf. zonaria BAST.
Venus (Circomphalus) plicata rotundior KAUT.
Venus (Periglypta) miocaenica MICHT.

Bryozoa indet.

Brissopsis sp.
Clypeaster sp.

Carnivora indet. (Unterkiefer)
Pisces indet. (Schuppen, Zähne)
Sirenia sp. (Rippe)

Ammonia beccarii (LIN.)
Cytheridea muelleri MUENST.

Cinnamomum scheuchzeri (HEER)

 

 

    Zur Startseite