Geologische Info zu Florianer Schichten

Allgemeine Entwicklung

In Zusammenhang mit der Steirischen Faltungsphase (H.  STILLE, 1924) kam es an der Grenze Karpat/Torton zu Ingressionen der Paratethys in die älteren limnisch/fluviatilen Senkungsfelder des Weststeirischen Beckens und der Pinkafelder Bucht.  Dabei wurde jedoch die Mittelsteirische Schwelle (S. 34) niemals völlig vom Meer überflutet, sondern die marinen Einbrüche erfolgten durch Lücken in dieser Schwelle.  Dadurch kam es im Weststeirischen Becken im Unter-Torton zur Ausbildung von Teilbuchten der Paratethys, der Florianer Bucht, der Gamlitzer Bucht und der Flamberger Bucht.  Gleichzeitig damit wurden durch Uberflutung der Auersbacher Schwelle die bisher getrennten oststeirischen Becken (Gnaser Becken, Fehringer Becken, Fürstenfelder Becken) miteinander vereinigt, wobei sich das seichte Meer über das Allhauer Becken bis in die Friedberg-Pinkafelder Bucht erstreckte.

Das Weststeirische Becken

Die Entwicklung des Tortons der Florianer Bucht ist durch eine zweimalige Ingression, unterbrochen von einer Regression des Meeres charakterisiert.  Der erste Vorstoß erfolgte zu Beginn des Tortons durch die Laßnitz-Senke bei Preding.  Er erreichte noch im tieferen Torton seine größte Ausdehnung.  In der höheren Lageniden-Zone setzte der Rückzug dieses Ingressionsmeeres ein, aber schon im höheren Unter-Torton kam es erneut zu einer weitgehenden Überflutung der Florianer Bucht.  Ihre endgültige Verlandung beginnt in der höheren Bolivina-Zone (Abb. 3 A-E).

Die marinen Ablagerungen des ersten Zyklus lassen eine Gliederung in einen tieferen sandigen und einen höheren tonigen Komplex zu.  Bei ersterem handelt es sich nach G. KOPETZKY (1957) um blaugraue bis gelbe, tonige Glimmersande mit 10 mm großen Kiesgeröllen.

Sie gehen in 20-25 m mächtige Grobsande bis Feinkonglomerate über, Die oft reiche Fauna, (vgl.  Tafeln 2, 3) zeigt, besonders in der Mikrofauna, brackischen Einfluß.  

Diese marine Entwicklung verzahnt sich mit teilweise diagonalgeschichteten fluviatilen Sanden.  Besonders in Grundgebirgsnähe können sie eine dunkelgrüne Färbung aufweisen.  Sowohl gegen Westen als auch gegen Süden zeigt sich eine deutliche Vergröberung des Kornes, so daß bereits westlich der Linie Rassach-Freidorf bis über taubeneigroße Kristallin und Quarzschotter feststellbar sind.  Der über den Grobsanden folgende sandig-mergelige Komplex zeigt nördlich der Laßnitz über 10-15 m mächtigen tonigen Glimmersanden eine 1-3 m mächtige, graugrüne bis schwarzgraue Mergellage (Pölser Mergel).  Dieser durch eine reiche Mikrofauna charakterisierte Horizont wird an verschiedenen Stellen (Pöls, Lannach, Stainz) von Tuffiten überlagert.  Darüber folgen neuerlich 5-10 m mächtige tonige Feinsande mit einer reichen Mikrofauna.  Die Folge greift weit über den Bereich der marinen Entwicklung der tieferen Sandkomplexe aus (Untere Florianer Schichten), wobei jedoch westlich Lannach-Grafendorf sowie südlich St. Andrä und Fantsch keine marinen Faunen mehr auftreten, sondern sich bereits über einem litoralen Gürtel die Verzahnung mit dunklen Feinsanden bis sandigen, glimmerreichen, stellenweise pflanzenführenden Tonen bemerkbar macht.  In diesen terrestrischen Bildungen finden sich auch Glanzkohlen-Flöze, wie der Lignit von Lannach, der Sande mit Brachypotherium brachypus (LART.) und Dicroceros sp. sowie Bentonite überlagert.

Ein zweites, ca. 10 m mächtiges, quarzreiches Grobsand-Niveau mit Führung von bis 20 mm großem Kies zeigt, daß im höheren Unter-Torton (Obere Lageniden-Zone) der terrestrische Einfluß erneut sehr stark wird.  Es hängt dies mit einer in diese Zeit fallenden Regression des Meeres in den engeren Raum des heutigen Laßnitz-Tales zusammen (Abb. 3C).  Vereinzelt finden sich in diesen gröberen Sedimenten auch Makrofaunen.

Gegen Westen und Süden zeigt sich eine deutliche Kornvergröberung.  Während im Westen vorwiegend dunkle, rotbraune, glimmerreiche fluviatile Quarzsande mit Kiesschnüren zu finden sind, treffen wir im Süden in diesen Sanden südlich des Gleinz-Baches auch Geröllagen mit Geröllen bis zu 80 mm Die dunkelbraunen Sande zeigen nicht selten abgerollte paläozoische Schiefer- sowie Kristallin-Gerölle.  Zum Teil sind die Ablagerungen stärker verfestigt und diagonal geschichtet.  Im Hangenden dieses Niveaus findet sich eine etwa 20 m mächtige Wechsellagerung mittelkörniger Glimmersande und pelitischer Feinsande; bisweilen kommt es auch zur Ausbildung von Sandsteinbänken sowie Kalkkonkretions-Horizonten.  Zwischen Laßnitz und Sulm sind diese Ablagerungen weniger sandig.  Dafür treten hier feinstgeschichtete, blaue fossilreiche z. T. karbonatführende Schiefertone (Obere Florianer Tegel) auf.  Weiter im Süden, bei Fantsch und Hasreith, finden wir wieder eine Wechsellagerung von glimmerreichen, sandigen Tonen und Sanden mit FeinkiesLagen.

Auch diese marinen Ablagerungen gehen über einen Gürtel mit brackischen Faunen gegen Westen und Süden in fluviatile, diagjonalgeschichtete, graubraune, oft gelblich bis braun verwitternde Sande mit oft, reichlicher Geröllführung über.

Ein charakteristisches Merkmal dieser Wechsellagerung im höchsten Unter-Torton ist das Auftreten von Tuffiten (z.  B. Weinzlipp, Fantsch, Otternitz, Rettenbach).  Die zweite marine Ingression im unteren Mittel-Torton bringt eine neuerliche Uberflutung der Florianer Bucht (Abb. 3D).  Die vorherrschenden Ablagerungen sind mittelkörnige, eisenschüssige, braune, teilweise diagonalgeschichtete Sande mit einzelnen Feinkieslagen.  Die Gerölle können bis 3 cm Durchmesser erreichen.  Kalkige Konkretionen sind nicht selten.  Die relativ armen Foraminiferenfaunen bestehen nach G. KOPETZKY (1957) aus Vertretern der Gattungen Elphidium  Rotalia, Cibicides, Eponides und Nonion.  In den nach K. KOLLMANN (1965) bereits der Bulimina-Bolivina-Zone zuzurechnenden höheren Teilen dieser Folge finden sich häufig linsenförmige, teilweise konglomeratisch verkittete Schillbänke mit Steinkernen von Cardium (Ringicardium) hians danubianum MAY.,  Glycymeris (Glycymeris) pilosa deshayesi (MAY.), Panopea menardi DESH., Pecten (Flabellipecten) leythajanus PARTSCH, Turitella partschi partschi ROLLE usw.  Derartige strandnahe Bildungen treffen wir beispielsweise am Hierzenbüchel bei Pöls oder an der Weggabelung Altvater am Höhenrücken von Tobisegg (vgl.  S. 92).  Besonders in den höheren Partien dieser Sande finden sich auch Lagen mit Pflanzenresten und Blattabdrücken.

Gegen W und S gehen diese marinen Ablagerungen über einen Gürtel brackischer, stark sandiger und oft pflanzenführender Sedimente in dunkle, teilweise rostbraune, bisweilen diagonalgeschichtete fluviatile Sande und Kiese über.

Eine Zunahme der Korngröße und des Anteils an kristallinen Komponenten gegen Westen zu ist feststellbar.  Am Kristallinrand verzahnen sich diese hier oft dunkelgrünen Sande mit Blockschutt-Ablagerungen, die teilweise bis zu hausgroße Blöcke führen können (P. BECK-MANAGETTA, 1947).

Mit der im oberen Mittel-Torton einsetzenden Regression des Meeres aus der Florianer Bucht kommt es zu einer endgültigen Trockenlegung des Weststeirischen Beckens (Abb. 3E).  Dieser Regressionsphase gehören die in über 400 m Seehöhe gelegenen fossilleeren, häufig rostbraunen, teilweise verkitteten Sand- und Schotterlagen an, die gegen Osten zu an Korngröße abnehmen und um den Wildoner Buchkogel und den Bockberg in Grobsande übergehen.

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